Das Gladbecker Sportjahr 2020

Eine Zusammenfassung von Thomas Dieckhoff (WAZ Gladbeck)

Die Corona-Pandemie hat auch das Gladbecker Sportjahr geprägt. Aber: Es gab sehr viel mehr als abgesagte Meisterschaften und Meetings.

Das Jahr 2020 wird als Corona-Jahr in die Geschichte eingehen. Die Pandemie war in den vergangenen Wochen und Monaten Dauerthema, auch im Sport. In Gladbeck wurden etliche Sportveranstaltungen und Meisterschaften abgesagt bzw. verlegt. Und doch dreht sich in unserem Rückblick auf das Sportjahr 2020 nicht alles um das Coronavirus.

Alle sportlichen Großveranstaltungen in Gladbeck fallen aus

Dennoch müssen wir mit dem Virus und den Folgen für den Gladbecker Sport beginnen. Im März ging es Schlag auf Schlag, die Saisons in allen Sportarten wurden erst ausgesetzt und später abgebrochen.

Großveranstaltungen wie das Borsigmeeting des TV Gladbeck, der ELE-Triathlon des SV Gladbeck 13 oder auch das internationale U18-Tennisturnier des TC Haus Wittringen fielen allesamt der Pandemie zum Opfer. Das galt auch für den 100. Geburtstag von Wacker Gladbeck, den die Butendorfer unter anderem mit einer großen Sause in der Mathias-Jakobs-Stadthalle feiern wollten.

Julian Draxler hilft den Gladbecker Fußballklubs

Immerhin: In Julian Draxler fanden die Fußballvereine unserer Stadt einen noblen Unterstützer. Der aus Gladbeck stammende und für Paris Saint-Germain aktive Nationalspieler stellte mit einer Spende sicher, dass die finanziellen Einbußen der Klubs aus seiner Heimatstadt bis zum Ende der Saison 2019/2020 abgefedert werden konnten.

Dazu der Weltmeister von 2014: „Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Denn als ehemaliger Jugendspieler des BV Rentfort weiß ich um die Sorgen der örtlichen Fußballvereine.“

Jessica Steigers Traum von den Olympischen Spielen 2020 platzt

Als Thomas Bach am 24. März die Verschiebung der Olympischen Spiele bekanntgab, flossen in Gladbeck bittere Tränen der Enttäuschung. Jessica Steiger, die Topschwimmerin des VfL, hatte, nachdem sie die Spiele 2012 und 2016 verpasst hatte, nicht nur von Tokio 2020 geträumt, sondern auch die vergangenen vier Jahre hart dafür trainiert.

Selbst Monate später bezeichnete Steiger die Entscheidung des IOC als „einfach bitter“. Und fügte an: „Ich kämpfe das ganze Leben dafür.“ Und deshalb kämpft die amtierende Deutsche Meisterin und Rekordhalterin über 200 Meter Brust weiter – mit dem Ziel, 2021 nach Tokio zu kommen.

Kira Lipperheide gewinnt Silber bei der Bob-Weltmeisterschaft

Im Frauen-Bobsport zählt Gladbeck dank des nimmermüden Engagements von Heiner Preute (TV 12) inzwischen zu einer nationalen Hochburg. Während es in der jüngere Vergangenheit Anschieberin Annika Drazek war, die internationale Titel und Medaillen abräumte, sorgte anno 2020 Kira Lipperheide für tolle Erfolge.

Vor dem Auftakt der Saison hatte Preute mit Blick auf die Newcomerin von einem „Lehrjahr“ gesprochen. An deren Ende stand für Lipperheide, die wie Drazek von Hause aus Sprinterin ist, im Schlitten der Wiesbadenerin Kim Kalicki der Gewinn von Weltmeisterschaftssilber. Kurz zuvor hatte das Gespann bei der Junioren-WM Rang eins belegt.

Lipperheide und Kalicki strahlen nach ihrem WM-Coup um die Wette

Nach dem Überraschungscoup am 23. Februar in Alternberg strahlte Kira Lipperheide beim ARD-Interview mit Kim Kalicki förmlich um die Wette. Ihr Erfolgsgeheimnis? „Wir hatten keinen Druck“, so das Mitglied des TV Gladbeck Kufe. Und mit Blick auf Kalicki sagte sie: „Das ist einfach eine gute Pilotin.“

Enttäuscht zeigten sich dagegen die auf Rang vier notierten Mariama Jamanka und Annika Drazek. Letztere sagte: „Wir müssen darüber sprechen, wie die Saison verlaufen ist.“ Das sei nämlich „nicht die tollste“ gewesen. Die Gladbeckerin schaute aber auch schon wieder nach vorne: „Wir haben 22 im Blick und nicht diese Saison.“ 22 – da finden die Olympischen Winterspiele in Peking statt.

Simmou wird in seiner Heimatstadt Gladbeck Box-Europameister

Um kurz nach 19 Uhr ging es am 16. Februar in der Halle der Ingeborg-Drewitz-Gesamtschule los. Der Gladbecker Profiboxer Salahadin Simmou kämpfte gegen den Georgier Zaza Amiridze um den EM-Titel im Superweltergewicht nach Version der WBU. 500 Zuschauer in Rentfort-Nord feuerten ihren Liebling lautstark an.

Keine Viertelstunde später war Simmou schon Europameister. Ringrichter Arno Pokrandt hatte dessen Kontrahenten in der dritten Runde disqualifiziert. Aber der Reihe nach: Zu Beginn der dritten Runde hatte ein Zuschauer den Trainer des Georgiers attackiert.

Der Simmou-Gegner wird in der dritten Runde disqualifiziert

Daraufhin setzte Zaza Amiridze den Kampf nicht fort. Mehrmals forderte Ringrichter Arno Pokrandt Amiridze auf, weiter zu boxen. Das tat er jedoch nicht – was schließlich die Disqualifikation des Georgiers zur Folge hatte.

„Wir wollten einen sauberen und schönen Kampf. Wir wollten wissen, wer der Bessere ist“, sagte später Azedin Simmou, Trainer und Onkel des Box-Champions. Und weiter: „So haben wir uns das nicht vorgestellt.“

TV Gladbeck feiert die Rückkehr in die Volleyball-Regionalliga

Ende Februar trugen die Volleyballerinnen des TV Gladbeck ihr vorerst letztes Spiel in der Oberliga aus. Es ging gegen den VfL Telstar Bochum überraschend verloren – der Aufstieg in die Regionalliga war für den ehemaligen Zweitligisten dadurch in weite Ferne gerückt.

Infolge der Corona-Pandemie wurde die Saison schließlich abgebrochen. Anfang Juni durften die Blau-Weißen und Trainer Waldemar Zaleski aber doch über die Rückkehr in die höchste Spielklasse Westdeutschlands jubeln.

Im Nordpark knallen keine Sektkorken

Weil der TV Gladbeck zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs in der Oberliga 2 auf dem dritten Tabellenplatz lag und theoretisch noch hätte Erster werden können, stiegen die Gladbeckerinnen ebenso auf wie Spitzenreiter RC Borken-Hoxfeld II und der Zweitplatzierte TV Hörde II.

„Sektkorken“, schrieb seinerzeit die WAZ, „knallten am Dienstagabend beim Training auf der Beachanlage im Nordpark zwar nicht.“ Und wir zitierten den Trainer mit diesen Worten: „Aber alle waren und sind natürlich happy.“

Zieht der SV Zweckel nach Gelsenkirchen um?

Seit langer Zeit klagt der SV Zweckel über den Zustand des Rasenplatzes an der Dorstener Straße. Verantwortliche des Vereins, der es zwischenzeitlich bis in die Oberliga geschafft hatte, Trainer und Spieler hatten immer darauf aufmerksam gemacht, dass auf der Anlage über weite Strecken des Jahres ein vernünftiger Trainings- und Spielbetrieb nicht möglich sei.

Mitte des Jahres überraschte die Stadt Gladbeck dann mit der Nachricht, dass ein Umzug des SVZ an die Baulandstraße in Gelsenkirchen-Scholven angedacht sei. „Die Stadt Gladbeck und die Stadt Gelsenkirchen planen gemeinsam die Weiterentwicklung der bestehenden Gelsenkirchener Sportanlage an der Baulandstraße zu einer gemeinsamen Spielstätte für den SV Zweckel und Hansa Scholven“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Gladbeck vom 5. Juni.

DKP macht die „Dorstener Straße“ zum Wahlkampfthema

Während die Sportpolitiker in Gelsenkirchen und in Gladbeck das Projekt fast einhellig begrüßten, regte sich in Scholven Widerstand. Der SV Hansa, an der Baulandstraße zu Hause, sammelte sogar Unterschriften gegen den Umzug des Gladbecker Klubs. Und in Gladbeck machte die DKP mit dem Thema Wahlkampf.

Uli Wloch, der Vorsitzende des SV Zweckel, nahm anlässlich einer Sportausschusssitzung Stellung – pro Umzug. Er betonte: „Dass wir für diesen Plan sind, ist eine Entscheidung der Vernunft und keine des Herzens.“ Der SVZ, so Wloch weiter, müsse sich zukunftsfähig aufstellen. Der Vorstand sei nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass „es keine bessere Alternative gibt als der Standort an der Stadtgrenze in Scholven“.

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